Verhaltenscodex im Rahmen der Coronavirus-Pandemie - 20.05.2020

 

Liebe Patientinnen/en, Freunde, Familie und Nachbarn,

 

Wenn ich außerhalb meines Wohnraumes unterwegs bin, dann könnte ich glatt auf den Gedanken kommen, dass alles so ist, wie vor dem Auftreten des Coronavirus.

Na ja, das stimmt nicht ganz, denn

 

  1. sehe ich natürlich auch viele Menschen mit Mund-Nase-Schutz, besonders auch da, wo es zurzeit auch per Verordnung ein Muss ist. Nur wird der Mund-Nase-Schutz häufig völlig falsch angewendet. Zum einen wird er nicht über Mund UND Nase getragen, sondern häufig nur über dem Mund, zum anderen wird der Schutz oftmals nicht täglich gewechselt, und
  2. sind viele Menschen häufig sehr aggressiv, wenn sie von mir oder einer anderen Person angesprochen werden, bitte Abstand zu halten, wenn sie mir "zu dicht auf die Pelle rücken".

 

Das ist für mich ein völlig unverständliches und auch unsoziales Verhalten, denn wir alle haben die Verantwortung dafür in dieser Krise, die Schwächsten unserer Gesellschaft zu schützen - und dazu zählen chronisch kranke Menschen und unsere Mitmenschen in höherem Alter bzw. auch diejenigen, die sich nicht selbst schützen können.

 

Und dabei sind nur ein paar ganz einfache Regeln einzuhalten, damit wir Infektionen weitestgehend vermeiden können. Regeln, die unser Leben - im Gegensatz zu anderen Ländern - weder vor den Lockerungen, noch jetzt jemals wirklich so massiv eingeschränkt haben, wie z. B. in Spanien oder in Frankreich oder gar in China.

Regeln, die von jedem von uns Verantwortung und eine Portion Diziplin erfordern, und natürlich für jeden in unterschiedlichem Maße auch Verzicht von Gewohntem - für die jüngeren Generationen besonders der Verzicht auf die sofortige Befriedigung ihrer häufig sehr egistischen Bedürfnisse. Insofern kann auch hier die Krise eine Chance für die Jüngeren sein: sich im Abwarten, sich mit weniger und vor allem mit "später" im Sinne von "das geht jetzt eben nicht" einmal auseinanderzusetzen und das auch aushalten zu üben smiley.

 

Egal welche Lockerungen es mittlerweile in welchem Bundesland und z.T. ja auch sehr unterschiedlich in den Landkreisen gerade gibt oder geben wird:

Das Coronavirus ist weiter unter uns und wird es, so der momentane Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse, auch bleiben.

Von einer nicht mehr vorhandenen Gefahrenlage, weil zurzeit die Zahlen niedriger sind, ist also in keinem Fall zu sprechen.

Eher ist es so, das viele von uns schon abgestumpft oder genervt erscheinen, die Schuld für die veränderte Lebenssituation, die häufig auch sehr belastend ist - sowohl privat, beruflich, körperlich und psychisch - gerne anderen zuschreiben wollen. 

 

"Schuld" ist unsere Spezies Mensch an sich, durch unseren Raubbau an der Natur über viele Jahrhunderte, durch unser Gefühl, vermeintlich alles beherrschen zu können.

Die Natur hat ihre eigenen Gesetze, und Pandemien wird es immer wieder geben, wahrscheinlich in immer kürzeren Abständen, wenn wir nicht alle lernen, den Planeten, auf dem wir leben, mit Respekt zu behandeln. Dazu gehört für mich nicht auf alles an Errungenschaften zu verzichten - das hieße ja auch, viele Jahrhunderte Rückschritt zu machen. Aber das fängt mit Kleinigkeiten an, die zeigen, wie achtlos Menschen oftmals leben - wie z.B. Kaugummis auszuspucken, fürs Brötchen holen die 200 Meter mit dem Auto zu fahren, jedes Jahr mindestens 1 x in den Urlaub zu fliegen, etc. etc. etc.

 

Also noch einmal:

ABSTAND, ABSTAND und noch mal ABSTAND halten. Mindestens 1.5, besser 2 Meter von jedem Menschen, der nicht zu unserem Hausstand gehört ist nach wie vor das Gebot der Stunde.

Und das Tragen eines hygienisch einwandfreien, täglich gewechselten Mund-Nase-Schutzes, wo es vorgegeben ist und wo wir uns länger in geschlossenen Räumen mit Personen, die nicht zum eigenen Hausstand gehören, aufhalten.

 

Und hier auch noch einmal:

es geht um den Hausstand, nicht um die Familie. Diejenigen die zusammen in einer Wohnung, in einem Einfamilienhaus wohnen, gehören zum Hausstand. Nicht die Tochter oder der Sohn, der in einem anderen Ort wohnt. Blutsverwandschaft schützt nicht vor Infektion!

 

Auch wenn mittlerweile in einigen Bundesländern die 2-Haushalt-Regel gilt, heißt das trotzdem, dass, wenn man sich mit 2 Haushalten trifft, - z. B. zum Grillen bei einer der Familie - trotzdem der Abstand von denjenigen, die nicht zum gleichen Hausstand gehören, eingehalten werden muss.

 

Also achten Sie darauf, Abstand am Tisch, bei Begegnungen beim Durchqueren von Türen etc. etc. einzuhalten. Treffen Sie sich möglichst draußen und vermeiden Sie einen zu langen Aufenthalt mit Personen zweier Haushalte in geschlossenen Räumen.

Wenn es nicht anders geht, dann lüften Sie bitte immer wieder durch, damit die Luft verwirbelt wird und damit auch die Konzentration des Virus sinkt. Und tragen Sie dann in solchen Situationen bitte auch einen entsprechenden Mund-Nase-Schutz.


 

Und - treffen Sie sich bitte nicht mit so vielen verschiedenen Haushalten, beschränken Sie sich auf die für Sie wichtigsten Personen.

Also bitte NICHT morgens mit Familie X Frühstücken, dann mittags mit Familie Y Grillen und abends zu Familie Z auf ein Bierchen fahren.

 

Denn auch diese Regel gilt ja weiterhin:

Der physische Kontakt zu Personen, die nicht dem eigenem Hausstand angehören, ist auf das absolut notwendigste Minimum zu reduzieren.  

 

 

Auch wenn die Lockerungen leider viele Menschen glauben lassen, es sei fast alles überstanden, oder sogar, es sei gar nicht so schlimm gewesen, das wäre alles gar nicht nötig gewesen -

Falsch gedacht. Wir sind bisher nur so glimpflich davon gekommen, weil wir den Shutdown hatten - nicht weil wir ihn nicht hatten. Ohne Shutdown sähe es bei uns wohl so aus wie in den schwer betroffenen Ländern. Aber wir setzen alles bisher Erreichte wieder aufs Spiel, jetzt, wo der Gesetzgeber wieder jedem Einzelnen die Verantwortung für sein Tun immer mehr überlässt, wenn der einzelne Bürger es nicht endlich schafft, auch Verantwortung für sein Tun zu übernehmen.

Dass heißt ganz klar und einfach, sich vorher Gedanken zu machen, was das eigene Verhalten bewirkt - nicht nur für sich selbst, sondern auch für die anderen. Das ist, bzw. das wäre - wenn es denn von allen oder zumindest den meisten Menschen gelebt werden würde -  soziales und solidarisches Agieren.

 

Denn das Virus hält sich an keine Regeln, die wir als Menschen aufstellen!

 

WIR können uns nur an Regeln halten, die das Virus vorgibt - nämlich:

Ich (also das Corona-Virus) werde durch die Ausatemluft und Aerosole übertragen. Ein Abstand von 1.5 - 2.0 Metern sowie viel frische Luft und Luftbewegungen machen es mir schwer, zu Euch zu gelangen. Das ist Eure Chance wink.

 

 

Weiterhin gutes Durchhalten,

Herzliche Grüße aus Cloppenburg,

Dr. med. Susanne Lehmkuhl-Eichhorn

mit dem vierbeinigen Praxis-Assistenten Alex von der Harderburg (wuff-wuff) smiley