Verhaltenscodex im Rahmen der Coronavirus-Pandemie

 

Liebe Patientinnen/en, Freunde, Familie und Nachbarn,

 

Leider sehe ich auch in meinem Umfeld immer noch relativ viele Menschen, die es noch nicht kapiert haben, was JETZT, und nicht erst in 2-3 Wochen, wichtig ist.

 

Abstand halten! Und noch einmal Abstand halten – besser 2 Meter als 1.5 Meter bis zur nächsten Person.

Keinen Kontakt mit anderen Haushalten.

D.h., dass die Kinder und Jugendlichen, und natürlich auch die Erwachsenen, sich bitte NICHT zusammen bei einer Familie treffen, sondern einfach zu Hause bleiben und sich dort beschäftigen – im Haus, im Garten – auch gerne Spazierengehen: bei kleineren Kindern und denen, die das einfach noch nicht kapieren, aber mit den Eltern und andere Personengruppen weiträumig meiden! D.h., da auch mindestens 2 Meter Abstand, wenn man sich begegnet.

 

Dabei dann auf die Kinder achten, dass die sich nicht impulsiv im Pulk zusammenschließen.

Wenn man seine Kids nicht bändigen kann, dann muss man als Elternteil mit denen im Haus, auf dem Grundstück bleiben.

 

Bitte auch nicht zu anderen Familienmitgliedern oder Freunden fahren, die in einem anderen Haus, in einem anderen Ort etc. wohnen - schon gar nicht zu Oma und Opa. Und Oma und Opa sollten auch nicht woanders hinfahren.  

Die Blutsverwandtschaft schützt nicht vor Infektion smiley !

 

 

 

Da die Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar sind, weil es nach der Infektion 3 - 14 Tage oder länger dauern kann, bis überhaupt Symptome auftreten, kann in der Zeit die Person, die infiziert und nicht krank ist, auch viele, viele andere Personen anstecken. Und das geschieht auch tagtäglich viele Male – die Auswirkungen werden wir erst in 2 - 3 Wochen sehen, wenn wir diese Infektionsketten nicht unterbinden, und zwar JETZT, SOFORT!

 

Noch einmal für ALLE - die Infektionskette läuft - vereinfacht erklärt - so ab:

Einer steckt z. B. 5 - 10 andere an (oder auch viel mehr), die wiederum jeweils 5 - 10 weitere -> dann sind wir schon bei >100.

Diese 100 Personen stecken jeweils weitere 5 - 10 Leute an - je nach Kontakten.

Damit sind wir dann schon bei mindestens 1000.

Usw., usw. – somit werden innerhalb weniger Tage von einer Person ausgehend viele Tausend oder mehr weitere Menschen angesteckt, die dann innerhalb von 3 - 14 Tagen u. U. krank werden, aber auf jeden Fall weiter Überträger sind.

 

Sie, Du, ich oder mein Gegenüber könnten mittlerweile infiziert sein. Da wir das nicht wissen – ABSTAND halten!

 

Wer zur Arbeit muss, sollte auch da auf Abstand achten – egal wo. Im medizinischen Bereich können wir uns, sofern Material vorhanden ist, ja schützen (Mundschutz, Handschuh, Kittel etc.), denn da ist engerer Kontakt am Patienten – genauso wie in der Pflege – ja unvermeidbar.

 

Wenn aber immer mehr Menschen erkranken werden – und das wird geschehen, weil sich die Bevölkerung nicht wirklich gut an die Regeln hält – besonders die Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht, und da leider besonders oft die männliche Bevölkerung – dann wird es mindestens so schlimm werden, wie in Italien.

 

Wir Ärzte haben schon vor der Corona-Krise vielfach am Limit gearbeitet, da das System seit Jahren auf reine Effizienz im Sinne der Wirtschaftlichkeit gefahren wird, und nicht an den Bedürfnissen bzgl. der Gesundheit der Bevölkerung.

 

Wenn die schwer Erkrankten weiter sprunghaft ansteigen, wird es denen so gehen, wie den Menschen in Italien.

Die Erkrankten werden nicht mehr versorgt werden können, und werden einsam, bei meist vollem Bewusstsein auf irgendeinem Krankenhausflur, in einem Feldbett in einer Messehalle oder sonst wo, ohne einen Angehörigen an ihrer Seite, elendig ‚verrecken‘.

 

Wer es jetzt noch nicht begriffen hat, den sollte man klar und deutlich zurechtweisen!!!

 

Also bitte, liebe Patientinnen/en, Freunde, Familie und Nachbarn, haltet Euch an die Regeln.

Bleibt zu Hause, soweit möglich, meidet andere Haushalte, haltet 2 m Abstand, wascht Euch immer wieder die Hände (nach dem Einkaufen, wenn ihr von draußen reinkommt, bei den sonstigen notwendigen Situationen ja sowieso, etc.), geht mit Euren Schnüfflern oder dem Partner, den Leuten aus dem eigenen Haushalt (keine anderen Personen !!!) gerne spazieren, aber meidet dabei dichten persönlichen Kontakt mit anderen Menschen – auch da mindestens 2 m Abstand.

 

Macht auch gerne Sport, gerne auch draußen - aber alleine! Wenn Ihr denn unbedingt mit jemandem zusammen joggen müsst - dann auch hier mindestens 2 Meter Abstand (denn beim Sport atmen wir schneller und mit mehr Wums die Luft aus, damit auch die Partikel weiter in die Umgebung).

 

Und - nicht ZUSAMMEN mit einer haushaltsfremden Person in EINEM Auto zum Sport (z. B. in den Wald) fahren!!!!

Im Auto kann nicht der Mindestabstand von 1.5 bis 2 Metern eingehalten werden - da sitzt man so eng, da kann man sich gleich küssen - das Risiko wäre wahrscheinlcih das gleiche.

 

Also bitte jeder in seinem Auto, oder besser noch mit dem Fahrrad oder zu Fuß zum Treffpunkt - wenn man sich schon mit 1 Person trifft. Denn ökologische Aspekte haben in der jetzigen Zeit KEINE Priorität - hier geht es um Menschenleben, das jeder riskiert, der sich nicht an die Regeln hält! 

 

Jeder, der nicht notwendigerweise sein Umfeld – also Haus, Garten etc. verlassen muss, sollte „mit seinem Hintern“ zu Hause bleiben.

 

Einkaufen sollte man nicht jeden Tag, sondern 1 oder 2 x die Woche. Oder bei den Betagteren – lassen Sie sich / lasst Euch einkaufen und das Eingekaufte vor die Tür stellen – nicht denjenigen ins Haus lassen!!! Auch da bedeutet es mindestens 2 Meter Abstand halten!

 

In diesem Sinne, hoffe ich, dass wir die Katastrophe abwenden können. Es wird sonst – davon bin ich überzeugt, weil es zu viele gibt, die sich nicht an die Regeln halten – eine Ausgangssperre geben, die nicht nur 2 Wochen dauern wird.

 

Aber jeder Einzelne hat es mit in der Hand, mitzuhelfen, dass die Infektionsketten unterbrochen, die Infektionsgeschwindigkeit damit verlangsamt wird, und dadurch das Gesundheitswesen es schafft, alle besonders schwer Erkrankten auch adäquat zu versorgen.

 

Herzliche Grüße aus Cloppenburg,

Dr. med. Susanne Lehmkuhl-Eichhorn

mit dem vierbeinigen Praxis-Assistenten Alex (wuff-wuff) smiley